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Deutsche Lieder
Geschichte der Deutschen in Liedern (Peter U. Rathay)
1.
Wach auf, wach auf, du deutsches Land (1561)
2.
Wach auf, du Deutsches Reich (um 1600)
3. Deutsche Kaiserhymne (1797)
4. Der Gott, der Eisen wachsen ließ (1812)
5.
Lützows wilde verwegene Jagd (1813)
6. Frühlingsgruß an das Vaterland (1814)
7. Wenn alle untreu werden (1814)
8.
Was ist des Deutschen Vaterland (1813)
9. Wir hatten gebauet (1819)
10. Fürsten zum Land hinaus (um 1830)
11.
Die Wacht am Rhein (1840)
12. Bürgerlied (1848)
13.
Heil dir im Siegerkranz (1871)
14. Was dich auch bedrohe (um 1920)
15. Deutschland, heiliges Wort (um 1920)
16. Nichts kann uns rauben (1923)
17. Deutsch ist die Saar (um 1925)
18. Deutsch- Österreich, du herrliches Land
(1920)
19. Auferstanden aus Ruinen (1949 / DDR)
20.
Das Lied der Deutschen
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Wach auf, wach auf, du deutsches Land
Im Mittelalter war das Reich der Deutschen die Vormacht des Abendlandes.
Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden Lieder und Choräle, die sowohl
der
geistig- geistlichen als auch der politischen Erneuerung des nun
innerlich geschwächten Deutschlands dienen sollten. Der Thüringer Johann
Walter (1496-1570), Hofkomponist Friedrichs des Weisen, Gründer der
ersten stadtbürgerlichen Kantorei Deutschlands (1525, Torgau) und
Mitarbeiter Luthers an der "Deutschen Messe", schuf in diesem Sinne den
auf einem fliegenden Blatt des Jahres 1561 erstmals schriftlich
bezeugten nationalen Aufruf "Wach auf, wach auf, du deutsches Land".
Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen!
Bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand.
Drum magst du wohl aufwachen.
Gott hat dich, deutsches Volk, geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
groß Hilf und Kraft dir auch beschert,
Elend und Not zu tragen,
viel Feind, groß Not und Haßgeschrei.
Tritt an und furcht ihr keinerlei!
Die Rott'* wirst du zerschlagen.
*Rott': Feindl. Schar
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Wach auf, du Deutsches Reich
Aus der Zeit der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert stammt das Lied
"Sichres Deutschland, schläfst du noch?" mit
eindringlicher Warnung vor den Gefahren für das Vaterland und dem Appell
"Wach auf, du Deutsches Reich". Insbesondere im Dreißigjährigen Krieg,
als Deutschland
innerem Hader und Übergriffen fremder Imperialmächte zum Opfer fiel,
fand es als Nationalgesang weite Verbreitung.
Sichres Deutschland, schläfst du noch?
Ach, wie nah ist dir dein Joch,
das dich hart wird drücken und dein Antlitz
dürr und bleich jämmerlich ersticken.
Wach auf, du Deutsches Reich!
Wach auf, du Deutsches Reich!
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Deutsche Kaiserhymne
Beeindruckt von der Wirkung der National- und Königshymne "God Save the
King" auf die
vaterländischen Gefühle der Engländer, faßte der geniale Begründer der
Klassik in der Musik, Joseph Haydn (1732-1809), den Entschluß, eine
Hymne auf den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,
Franz II., zu komponieren. Sie sollte auch ein Fanal zur Verteidigung
Deutschlands gegen die anstürmenden französischen Truppen sein. Als
vierstimmiger Musiksatz erklang die Weise, die Melodie des späteren
Deutschlandliedes, erstmals zum Geburtstag des deutschen Kaisers am 12.
Februar 1797 in Wien in Anwesenheit der Majestät.
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"Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!
Lange lebe Franz der Kaiser
in des Glückes hellstem Glanz!
Ihm erblühen Lorbeerreiser,
wo er geht, zum Ehrenkranz.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!"
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So lautete der ursprüngliche, vom Wiener Professor
Lorenz Leopold Haschka verfaßte Text der deutschen Kaiserhymne. Doch
schon bald entstand von einem unbekannten Dichter eine neue Fassung, die
sich durchsetzte und, nachdem Kaiser Franz die österreichische
Kaiserwürde angenommen und unter dem Druck der Zeitumstände die Krone
des Deutschen Reiches niedergelegt hatte, bis zu seinem Tode 1835 als
Hymne Österreichs intoniert wurde. Nach dem Sieg über Napoléon kam die
vierte Strophe mit dem deutschen Bekenntnis Österreichs hinzu. Das Lied
blieb mit leicht verändertem Text bis 1918 Hymne Österreichs.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!
Hoch als Herrscher, hoch als Weiser
steht er in des Ruhmes Glanz.
Liebe windet Lorbeerreiser
ihm zu ewig grünem Kranz.
Gott erhalte Franz den Kaiser,
unsern guten Kaiser Franz!
Über blühende Gefilde
reicht sein Szepter weit und breit.
Säulen seines Throns sind Milde,
Biedersinn und Redlichkeit.
Und von seinem Wappenschilde
strahlet die Gerechtigkeit.
Gott erhalte ...
Sich mit Tugenden zu schmücken,
achtet er der Sorgen wert.
Nicht, um Völker zu erdrücken,
flammt in seiner Hand das Schwert;
sie zu segnen, zu beglücken,
ist der Preis, den er begehrt.
Gott erhalte ...
Er zerbrach der Knechtschaft Bande,
hob zur Freiheit uns empor.
Früh erleb' er deutscher Lande,
deutscher Völker höchsten Flor
und vernehme noch am Rande
später Gruft der Enkel Chor:
Gott erhalte ...
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Der Gott, der Eisen wachsen ließ
1812, als Deutschland unter der Knute der Besatzer stöhnte und sich
mancher seiner Herrschenden unterwürfig Napoléon andiente, schrieb der
nationale Erwecker Ernst Moritz Arndt seinen flammenden "Deutscher
Freiheit Schlachtruf".
Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
dem Mann in seine Rechte,
drum gab er ihm den kühnen Mut,
den Zorn der freien Rede,
daß er bestände bis aufs Blut,
bis in den Tod die Fehde.
So wollen wir, was Gott gewollt,
mit rechten Treuen halten
und nimmer in Tyrannensold
die Menschenschädel spalten;
doch wer für Tand und Schande ficht,
den hauen wir zu Scherben,
der soll im deutschen Lande nicht
mit deutschen Männern erben.
Laßt brausen, was nur brausen kann,
in hellen lichten Flammen!
Ihr Deutschen alle Mann für Mann
für's Vaterland zusammen!
und hebt die Herzen himmelan!
und himmelan die Hände!
und rufet alle Mann für Mann:
"Die Knechtschaft hat ein Ende!"
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Lützows wilde verwegene Jagd
Die Lützower Jäger, das vom preußischen Reiteroffizier Adolf Freiherr
von Lützow
geführte Freikorps, stand 1813 im Befreiungskampf gegen Napoléon an
vorderster Front. Die Uniformfarben der Lützower wurden zum Vorbild des
deutschen Dreifarbs Schwarz-Rot-Gold. Der Dichter Theodor Körner, der
1813 – kaum 22 Jahre jung – als Lützower Jäger fiel, verfaßte das 1814
von
einem der größten Meister deutscher Tondichtkunst, Carl Maria von Weber,
vertonte Gedicht über die Jagd der Freiheitskämpfer.
Was glänzt dort im Walde im Sonnenschein?
Hör's näher und näher brausen.
Es zieht sich herunter in düstern Reih'n,
und gellende Hörner erschallen darein,
erfüllen die Seele mit Grausen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Das ist, das ist Lützows wilde, verwegene Jagd!
Was zieht dort rasch durch den finstern Wald
und streifet von Bergen zu Bergen?
Es legt sich in nächtlichen Hinterhalt,
das Hurra jauchzt, die Büchse knallt,
es fallen die fränkischen Schergen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Das ist ...
Wo die Reben dort glühen, dort braust der Rhein,
der Wütrich geborgen sich meinte.
Da naht es schnell wie Gewitterschein
und wirft sich mit rüst'gen Armen hinein
und springt ans Ufer der Feinde.
Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt:
Das ist ...
Was braust dort im Tale die laute Schlacht,
was schlagen die Schwerter zusammen?
Hochherzige Reiter schlagen die Schlacht,
und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht
und lodert in blitigen Flammen!
Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt:
Das ist ...
Wer scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht,
unter winselnde Feinde gebettet?
Es zucket der Tod auf dem Angesicht,
doch die wackern Herzen erzittern nicht,
das Vaterland ist ja gerettet!
Und wenn ihr die schwarzen Gefall'nen fragt:
Das ist ...
Die wilde Jagd und die deutsche Jagd
auf Henkersblut und Tyrannen!
Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt!
Das Land ist ja frei und der Morgen tagt,
wenn wir's auch nur sterbend gewannen!
Und von Enkeln zu Enkeln sei's nachgesagt:
Das war, das war, Lützows wilde, verwegene Jagd!
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Frühlingsgruß
an das Vaterland
Max von Schenkendorf schrieb dieses Lied 1814 als Freudenlied über die
in der Völkerschlacht
wieder errungene Freiheit Deutschlands, verbunden mit der Hoffnung auf
die Errichtung eines freien Deutschen Reiches.
Wie mir deine Freuden winken
nach der Knechtschaft, nach dem Streit!
Vaterland, ich muß versinken
hier in deiner Herrlichkeit!
Wo die hohen Eichen sausen,
himmelan das Haupt gewandt,
wo die starken Ströme brausen:
alles das ist deutsches Land.
Von dem Rheinfall hergegangen
komm ich, von der Donau Quell,
und in mir sind aufgegangen
Liebessterne mild und hell.
Niedersteigen will ich,
strahlen soll von mir der Freudenschein
in des Neckars frohen Talen
und am silberblauen Main.
Weiter, weiter mußt du dringen,
du mein deutscher Freiheitsgruß,
sollst vor meiner Hütte klingen
an dem fernen Memelfluß!
Wo noch deutsche Worte gelten,
wo die Herzen, stark und weich
– zu dem Freiheitskampf sich stellten
ist auch heilges deutsches Reich.
Alles ist in Grün gekleidet,
alles strahlt im jungen Licht
– Anger, wo die Herde weidet,
Hügel, wo man Trauben bricht.
Vaterland, in tausend Jahren
kam dir solch ein Frühling kaum;
was die hohen Väter waren,
heißet nimmermehr ein Traum.
Aber einmal müßt ihr ringen
noch in ernster Geisterschlacht
und den letzten Feind bezwingen,
der im Innern drohend wacht.
Haß und Argwohn müßt ihr dämpfen,
Geiz und Neid und böse Lust;
dann, nach schweren, langen Kämpfen
kannst du ruhen, deutsche Brust!
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Wenn alle untreu werden
Die Worte des Liedes stammen ebenfalls vom Dichter Max von Schenkendorf
(1783-1817), der auch "Freiheit, die ich meine" schuf und ein Herold des
deutschen Freiheitskampfes 1813- 1815 war. Er schrieb das Gedicht 1814
an Turnvater Jahn mit dem Vermerk "Von wegen des Heiligen Römischen
Reiches" auch aus Enttäuschung über das sich ankündigende Erstarken der
Reaktion, die im Wiener Kongress 1815 schließlich manifestiert wurde.
Man singt das Lied nach einer der alten niederländischen
Geusenhymne
"Wilhelmus van Nassauwe ben ik van duitschen bloed" entlehnten Weise
oder nach einer Melodie unbestimmter Herkunft, die wohl altem Volksgut
folgt.
Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu,
daß immer noch auf Erden für euch ein Fähnlein sei.
Gefährten unsrer Jugend, ihr Bilder bess'rer Zeit,
die uns zu Männertugend und Liebestod geweiht.
Wollt nimmer von uns weichen, uns immer nahe sein.
Treu wie die deutschen Eichen, wie Mond und Sonnenschein!
Einst wird es wieder helle in aller Brüder Sinn,
sie kehren zu der Quelle in Lieb' und Reue hin.
Es haben wohl gerungen die Helden dieser Frist
und nun der Sieg gelungen übt Satan neue List.
Doch wie sich auch gestalten im Leben mag die Zeit,
du sollst uns nicht veralten, du Traum der Herrlichkeit!
Ihr Sterne seid uns Zeugen, die ruhig niederschaun:
Wenn alle Brüder schweigen und falschen Götzen traun
– wir woll'n das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich,
woll'n predigen und sprechen vom heil'gen Deutschen Reich.
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Was ist des Deutschen Vaterland
Mit seinen vaterländischen Schriften und Liedern hatte Ernst Moritz
Arndt (1769-1860) wichtigen Anteil an der siegreichen deutschen Erhebung
gegen Napoleon. Als Abgeordneter der Nationalversammlung in der
Paulskirche zu Frankfurt am Main trat er für ein freiheitliches
Großdeutschland ein. 1812, als der Kampf gegen die Fremdherrschaft tobte
und es dem nationalen Lager auch um die Überwindung der reaktionären
deutschen Kleinstaaterei ging, verfaßte er das Gedicht "Was ist des
Deutschen Vaterland?". Daß es zu einer nationalen Hymne werden konnte,
liegt auch an der feurigen Weise, die der aus Pommern stammende, damals
28-jährige Komponist Gustav Reichardt 1825 auf die Worte Arndts schuf.
Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Preußenland? Ist's Schwabenland?
Ist's wo am Rhein die Rebe blüht?
Ist's wo am Belt die Möwe zieht?
O nein, nein, nein, sein
Vaterland muß größer sein!
Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Bayerland, ist's Steierland?
Ist's wo des Marsen Rind sich streckt?
Ist's wo der Märker Eisen reckt?
O nein, nein, nein ...
Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Pommerland? Westfalenland?
Ist's wo der Sand der Dünen weht?
Ist's wo die Donau brausend geht?
O nein, nein, nein ...
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land.
Ist's Land der Schweizer? Ist's Tirol?
Das Land und Volk gefiel mir wohl.
Doch nein, nein, nein, ...
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Gewiß, es ist das Österreich,
an Ehren und an Siegen reich?
O nein, nein ...
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!
Soweit die deutsche Zunge klingt
und Gott im Himmel Lieder singt!
Das soll es sein, das soll es sein,
das, wackrer Deutscher, nenne dein.
Das nenne dein.
Das ganze Deutschland soll es sein,
o Gott vom Himmel sieh darein
und gib uns rechten deutschen Mut,
daß wir es lieben treu und gut.
Das soll es sein, das soll es sein,
das ganze Deutschland soll es sein.
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Wir hatten gebauet
Nachdem auf dem Wiener Kongreß die Reaktion gesiegt hatte, erreichte die
Unterdrückung der fortschrittlichen nationalen Kräfte in der
"Demagogenverfolgung" in der Folge der vom Fürsten Metternich
durchgesetzten "Karlsbader Beschlüsse" einen Höhepunkt; zur Auflösung
der Jenaischen Burschenschaft schrieb der Kieler und Jenaer
Burschenschafter August Daniel von Binzer 1819 das Lied "Wir hatten
gebauet".
Wir hatten gebauet
ein stattliches Haus
und drin auf Gott vertrauet,
trotz Wetter, Sturm und Graus.
Wir lebten so traulich,
so innig, so frei,
den Schlechten ward es graulich,
wir lebten gar zu treu!
Man lugte, man suchte
nach Trug und Verrat,
verleumdete, verfluchte,
die junge grüne Saat!
Was Gott in uns legte,
die Welt hat's veracht't,
die Einigkeit erregte
bei Guten selbst Verdacht!
Man schalt sie Verbrechen,
man täuschte sich sehr;
die Form kann man zerbrechen,
die Liebe nimmermehr.
Die Form ist zerbrochen,
von außen herein,
doch, was man drin gerochen,
war eitel Trug und Schein.
Das Band ist zerschnitten,
war Schwarz, Rot und Gold,
und Gott hat es gelitten,
wer weiß, was er gewollt!
Das Haus mag zerfallen
– was hat's dann für Not?
Der Geist lebt in uns allen,
und unsre Burg ist Gott!
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Fürsten zum Land hinaus
In der Folge der französischen Julirevolution von 1830 wurde auch in den
deutschen Staaten der Protest gegen Unfreiheit und Unterdrückung
lauter; auf dem Hambacher Fest 1832 wurde das Lied "Fürsten zum Land
hinaus – oder: die lustige Treibjagd" gesungen. Der Schriftsteller Fritz
Reuter (1810-1874) wurde wegen seiner Mitgliedschaft in einer
Burschenschaft sowie wegen des Verdachtes, er habe dieses Lied in Jena
in der Kneipe und auf der Straße gesungen zum Tode durch das Beil
verurteilt (dann zu jahrelanger Festungshaft begnadigt).
Fürsten zum Land hinaus!
Jetzt kommt der Völkerschmaus
– raus, raus, raus, raus!
Wilhelm liebt Bürgerwacht,
hebt ihn aus Preußen fort,
hebt ihn aus Preußen fort,
erschlagt den Hund!
Der schönste Schwabenstreich
ist Wilhelm aus dem Reich
– raus, raus, raus, raus!
Bayernland ans Gewehr,
Ludewig taugt nichts mehr,
Ludewig taugt nichts mehr,
erschießt den Hund!
Mecklenburg, deine Frist
auch abgelaufen ist
– tick tack tick tack.
Oldenburg, schleif' die Sens',
Oldenburg, schleif' die Sens',
zieh in die Residenz
– autsch, autsch, autsch, autsch!
Hechingen und Sigmaringen
müssen über die Klinge springen
– hoppsa, hoppsa! Reuß, Greiz, Schleiz,
Lobenstein, Reuß, Greiz, Schleiz,
Lobenstein jagt in ein Mausloch rein –
Katz', Katz', Katz', Katz'.
Homburgs Landgräfelein,
wird das zu fürchten sein?
Nein, nein, nein, nein!
Metternich, marsch mit dir,
Metternich, marsch mit dir,
Rothschilds und Staatspapier
– marsch, marsch, marsch, marsch!
Dem Deutschen Bundestag
werft faule Eier nach
– kikeriki, kikeriki!
Dann ist im Lande Raum,
pflanzet den Freiheitsbaum,
pflanzet den Freiheitsbaum:
hoch, hoch, hoch, hoch!
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Die Wacht am Rhein
Als 1840 ein französischer Angriff auf Deutschlands Westgrenze drohte,
erhob sich "eine gewaltige nationale Abwehrbewegung in Deutschland, die
zu einer Stärkung der
nationalen Bestrebungen führen sollte" (W. Mommsen, 1951). Worte, zu den
deutschen Schutz- und Trutzbekenntnissen gegen fremden Imperialismus
zählenden Liedes.
Text: Max Schneckenburger (1819-1849)
Weise: Komponist Karl Wilhelm (1815-1873)
Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
wie Schwertgeklirr und Wogenprall:
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!
Wer will des Stromes Hüter sein?
Lieb Vaterland, magst ruhig sein.
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Durch Hunderttausend zuckt es schnell,
und aller Augen blitzen hell:
Der Deutsche, bieder, fromm und stark,
beschützt die heil'ge Landesmark.
Lieb Vaterland ...
Er blickt hinauf in Himmelsaun,
da Heldenväter niederschaun,
und schwört mit stolzer Kampfeslust:
Du, Rhein, bleibst deutsch wie meine Brust!
Lieb Vaterland ...
Und ob mein Herz im Tode bricht,
wirst du doch drum ein Welscher nicht.
Reich wie an Wasser deine Flut
ist Deutschland ja an Heldenblut.
Lieb Vaterland ...
Solang ein Tropfen Blut noch glüht,
noch eine Faust den Degen zieht,
und noch ein Arm die Büchse spannt,
betritt kein Feind hier deinen Strand!
Lieb Vaterland ...
Der Schwur erschallt, die Woge rinnt,
die Fahnen flattern hoch im Wind:
Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein,
wir alle wollen Hüter sein!
Lieb Vaterland ...
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Bürgerlied
Nach langer Zeit der Unterdrückung kam es im März 1848 endlich zur
Revolution in Deutschland – Arbeiter, Bauern, Bürger, Studenten, …
kämpften vielerorts Seite an Seite. Die Idee der Gleichheit aller
Deutschen hat sich durchgesetzt. Das aus dieser Zeit stammende
"Bürgerlied" ist ein Beleg dafür.
Ob wir rote, gelbe Kragen,
Helme oder Hüte tragen,
Stiefel tragen oder Schuh',
oder ob wir Röcke nähen
und zu Schuhen Drähte drehen,
das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir können präsidieren
oder müssen Akten schmieren
ohne Rast und ohne Ruh',
ob wir just Collegia lesen
oder aber binden Besen,
das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir stolz zu Rosse reiten
oder ob zu Fuß wir schreiten
fürwahr unserm Ziele zu,
ob uns Kreuze vorne schmücken
oder Kreuze hinten drücken,
das tut, das tut nichts dazu.
Aber ob wir neues bauen
oder altes nur verdauen,
wie das Gras verdaut die Kuh,
ob wir in der Welt was schaffen
oder nur die Welt begaffen,
das, ja das tut was dazu!
Ob im Kopfe etwas Grütze
und im Herzen Licht und Hitze,
daß es brennt in einem Nu,
oder ob wir hinter Mauern
stets im Dunklen träge kauern,
das, ja das tut was dazu!
Ob wir rüstig und geschäftig
wo es gilt zu wirken kräftig
immer tapfer greifen zu,
oder ob wir schläfrig denken:
Gott wird's wohl im Schlafe schenken,
das, ja das tut was dazu!
Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder,
alle eines Bundes Glieder,
was auch jeder von uns tu!
Alle, die dies Lied gesungen,
so die Alten wie die Jungen,
tun wir, tun wir was dazu!
Denn für Deutschlands Freiheit streben
heißt für Deutschlands Freiheit leben,
Tag und Nacht und immerdar.
Ob Student, Soldat, Hauptmeister,
Bauer oder Weltgereister,
alle sind wir Deutschlands Schar!
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Heil dir im Siegerkranz
Die Henry Carey zugeschriebene Weise des englischen Königsliedes "God
Save the King/Queen" diente als Melodie der Hymne der preußischen
Majestäten, aber auch der Preisgesänge auf andere deutsche
Herrscherhäuser. Sie wurde mit den Worten von Heinrich Harries nach der
Reichsgründung 1871 offizielle Hymne des zweiten Deutschen Reiches.
Bezeichnend ist, daß ein Bezug zu Deutschland in dem Lied explizit nicht
vorkommt.
Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands.
Heil, Kaiser, dir!
Fühl' in des Thrones Glanz
die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein.
Heil, Kaiser, dir!
Nicht Ross', nicht Reißige
sichern die steile Höh',
wo Fürsten stehn.
Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
gründen den Herrscherthron
wie Fels im Meer.
Heilige Flamme, glüh,
glüh und erlösche nie
fürs Vaterland!
Wir alle stehen dann
mutig für einen Mann,
kämpfen und bluten gern
für Thron und Reich.
Handel und Wissenschaft
heben mit Mut und Kraft
ihr Haupt empor.
Krieger- und Heldentat
finden ihr Lorbeerblatt
treu aufgehoben dort an
deinem Thron.
Sei, Kaiser Wilhelm, hier
lang deines Volkes Zier,
der Menschheit Stolz!
Fühl' in des Thrones Glanz
die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein.
Heil, Kaiser, dir!
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Was dich auch bedrohe
Der in den 1920er Jahren entstandene "Feuerspruch" mit der Eingangszeile
"Was die auch bedrohe", gedichtet von dem in der deutschen
Jugendbewegung wurzelnden Heinrich Gutberlet und vertont von Eugen
Naumann, wurde zum Nationallied der Deutschen, die in der Folge der
Gebietsabtretungen von 1920 in den polnischen Machtbereich gelangten
(Posen und Westpreußen), schließlich zu einer Hymne der
Auslandsdeutschen überhaupt.
Was dich auch bedrohe:
Eine heil'ge Lohe gibt dir Sonnenkraft!
Laß dich nicht entrechten,
laß dich nimmer knechten!
Gott gibt dem Gerechten
wahre Heldenschaft.
Was auch immer werde,
steh' zur Heimaterde, bleibe wurzelstark!
Kämpfe, blute, werbe
für dein höchstes Erbe,
siege oder sterbe:
Deutsch sei bis ins Mark!
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Deutschland, heiliges Wort,
du voll Unendlichkeit!
Über die Zeiten fort
seist du gebenedeit!
Heilig sind deine Seen,
heilig dein Wald
und der Kranz deiner stillen Höh'n
bis an das grüne Meer.
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Nichts kann uns rauben
Arbeiterdichter Karl Bröger (1886-1944), im Ersten Weltkrieg schwer
verwundeter
Frontsoldat, schrieb dieses nationale Bekenntnis, als französische
Truppen 1923 das Ruhrgebiet besetzt hatten und sich der deutsche
Widerstand gegen die Besatzung formierte. Er war in jener Zeit
Sozialdemokrat; im "Hofgeismarer Kreis" wirkte er an der Seite betont
vaterländisch gesinnter Jungsozialisten. Vertont wurde das Lied in den
1930er Jahren von dem Komponisten und Musikpädagogen Heinrich Spitta
(1902-1972), Schöpfer des Hymnus "Heilig Vaterland", Professor an der
Akademie für Kirchen- und Schulmusik der Reichshauptstadt Berlin und
Enkel von Karl Johann Philipp Spitta, einem der bedeutend- sten
Kirchenlieddichter des 19. Jahrhunderts.
Nichts kann uns rauben
Liebe und Glauben
zu unserm Land;
es zu erhalten
und zu gestalten
sind wir gesandt.
Mögen wir sterben,
unseren Erben
gilt dann die Pflicht,
es zu erhalten
und zu gestalten
– Deutschland stirbt nicht! Melodie
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Deutsch ist die Saar
Auch dies ist ein Lied gegen französische Fremdherrschaft. Sowohl nach
dem Ersten als auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland dem
französischen Wirtschaftsgebiet eingegliedert. In Volksabstimmungen
entschied sich die Bevölkerung sowohl 1935 als auch 1957 für die
Zugehörigkeit zu Deutschland. Das Lied entstand in den 1920er Jahren.
Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar,
und deutsch ist unseres Flusses Strand
und ewig deutsch mein Heimatland!
Deutsch schlägt das Herz stets himmelwärts.
Deutsch schlug's, als uns das Glück gelacht,
deutsch schlägt es auch in Leid und Nacht.
Ihr Himmel hört, das Saarvolk schwört:
Lasset uns es in die Himmel schrein,
wir wollen niemals Knechte sein,
wir wollen ewig Deutsche sein!
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Deutsch- Österreich, du herrliches Land
Nach dem Ersten Weltkrieg strebten alle politischen Lager des Deutschen
Reiches und Österreichs die Vereinigung der Republiken von Wien und
Weimar zu Großdeutschland an, was jedoch von den Siegermächten,
besonders Frankreich, unter Androhung militärischer Gewalt verhindert
wurde. Der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Staatskanzler
Karl Renner (Bundespräsident der zweiten österreichischen Republik von
1945 bis 1950), dichtete damals die Hymne "Deutsch- Österreich, du
herrliches Land". Als Komponisten gewann Renner Anfang 1920 den
begnadeten österreichischen Tondichter Wilhelm Kienzl (1857-1941), der
mit seiner Oper "Der Evangelimann" Weltruhm geerntet hatte. (Mit dem
ausdrücklichen Hinweis, "daß die weitere Pflege der
Renner- Kiensl'schen Hymne keineswegs ausgeschlossen werden soll",
verfügte die österreichische
Bundesregierung 1929, daß künftig das – ebenfalls von einem deutschen
Bekenntnis geprägte – Heimatlied von Ottokar Kernstock zur Melodie des
Deutschlandliedes als Bundeshymne verwendet werden soll.)
Deutsch- Österreich, du herrliches Land,
wir lieben dich!
Hoch von der Alm unter'm Gletscherdom
stürzen die Wasser zum Donaustrom:
Tränken im Hochland Hirten und Lämmer,
treiben am Absturz Mühlen und Hämmer,
grüßen viel' Dörfer, viel' Städte
und ziehn jauchzend zum Ziel,
unserm einzigen Wien!
Du herrliches Land, unser Heimatland,
wir lieben dich, wir schirmen dich.
Deutsch- Österreich, du Bergländerbund,
wir lieben dich!
Frei durch die Tat und vereint durch Wahl,
eins durch Geschick und durch Blut zumal.
Einig auf ewig, Ostalpenlande!
Treu unserm Volkstum, treu dem Verbande!
Friede dem Freund, doch dem Feinde,
der droht, wehrhaften Trotz in Kampf und Not!
Du Bergländerbund, unser Ostalpenbund,
wir lieben dich, wir schirmen dich.
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Auferstanden aus Ruinen
Am 5. November 1949 erklärte der Ministerrat der Deutschen
Demokratischen Republik das von dem Dichter Johannes R. Becher, der
einst der Jugendbewegung
nahe gestanden hatte, verfaßte und von seinem kommunistischen
Gesinnungsgenossen Hanns Eisler, 1. Kulturminister der DDR, vertonte
Lied zum "Nationalgesang der DDR". Als die SED gegen Ende der 1960er
Jahre auf Separatismus
umschaltete, durfte der Text mit dem Bekenntnis zur deutschen Einheit
fortan nicht mehr
gesungen werden und nur noch die Melodie erklingen. Im Herbst 1989 wurde
die Zeile "Deutschland, einig Vaterland!" aus der Hymne zum Leitwort
der
Wiedervereinigungsbewegung in der DDR.
Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland!
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen,
daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
daß nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint.
Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
lernt und schafft wie nie zuvor,
und der eignen Kraft vertrauend
steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben
unsres Volks in dir vereint,
wirst du Deutschlands neues Leben,
und die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
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